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Steuern sparen und dabei Gutes tun

von SolopreneurRATGEBER
Marc Schippke

Steueroptimierung hat häuft einen sehr negativen Ruf. Dieser Artikel soll zeigen, dass dieser Ruf teilweise völlig unzutreffend ist. Vor allem dann, wenn die Gründung eines Vereins ins Auge gefasst wird, der ein Gemeinwohl in seiner Satzung unterstützt. Gleichzeitig ermöglicht gerade das Vereinswesen fantastische Möglichkeiten, die eigene Steuerlast auf bis zu 0% zu senken und dabei Gutes zu tun.

Schon einmal über die Gründung eines Vereins nachgedacht?

Falls noch nicht, sollte diese Möglichkeit unbedingt Eingang in die eigenen Überlegungen finden. Viel zu selten beschäftigt man sich als Steuerzahler mit der Möglichkeit, einen Verein zu gründen.

Mit dem Vereinswesen wird oftmals ein Fußball- oder noch allgemeiner, ein Sportverein verstanden. Es gibt jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten und Bereiche, in denen eine Vereinsgründung sinnvoll ist. Gleichzeitig bietet dieses Konstrukt fantastische Chancen, die eigene Steuerlast zu minimieren.

Vereinskonstrukt als Schutz

In den vorherrschenden Zeiten einer heraufziehenden Wirtschaftskrise, ist es selbstverständlich, dass sich Menschen auch um den Schutz ihres aufgebauten Vermögens kümmern sollten. Der Zugriff des Staates auf vereinsinterne Vermögenswerte ist äußerst schwierig. Hier einige wichtige Stichpunkte zu dem Thema:

  • Das Vereinswesen ist älter als die heutige Republik Österreich
  • Vereine kreieren ihre eigene Verfassung in Form der Statuten
  • Ausschlaggebend ist der gemeinnützige Zweck eines Vereins, der einen Verein erst zum Verein macht
  • Eine Eintragung ins Vereinsregister genügt, um zu beginnen

Diese 4 Aspekte sind schon sehr gewichtige Argumente, wenn es um die Optimierung der eigenen Steuerlast geht.

Steuerliche Aspekte

Steuerlich wird ein Verein in Österreich ebenfalls anders behandelt als alle anderen rechtlichen Konstrukte. Hier eine kleine Auflistung der Steuerlast:

  • 0 % Körperschaftsteuer
  • 0 % Gewerbesteuer
  • 0 % Kapitalertragsteuer
  • 0 % Erbschaftssteuer
  • 0 % von Mieteinnahmen aus Immobilien die den Verein gehören
  • 0 % Schenkungssteuer bei Schenkung von Immobilien an den Verein

Jeder Verein hat einen Präsidenten, der verantwortlich für die Vereinsabläufe ist. So ist es erlaubt, dass die täglichen Ausgaben dieses Präsidenten in Form von Spesen abgedeckt werden. Diese Spesen sind natürlich kein Einkommen, weshalb auch keine Einkommensteuer bezahlt werden muss. Vereinsgründer profitieren daher auf mehreren Ebenen von diesem Vereinskonstrukt.

Gemeinnützigkeit Voraussetzung

Nun kann nicht für jeden beliebigen Bereich und für jeden Zweck auch ein Verein gegründet werden.

Um als Verein anerkannt zu werden, muss der Zweck des Vereines der Gemeinnützigkeit dienen. Gemeinnützigkeit ist ein sehr dehnbarer Begriff und bietet Interpretationsspielraum.

Hier ein Auszug aus dem Leitfaden ‘Vereine und Steuern’ des Bundesministeriums für Finanzen:  „Voraussetzung für die Gemeinnützigkeit von Vereinen ist eine Förderung der Allgemeinheit (§ 35 Abs. 1 BAO). Was jedoch bedeutet Förderung der Allgemeinheit? Hier die Antwort dazu: “Eine Förderung der Allgemeinheit ist dann anzunehmen, wenn der Verein das Gemeinwohl auf geistigem, kulturellem, sittlichem oder materiellem Gebiet selbstlos fördert.“ Es fallen daher sehr viele Bereiche in diese Definition, was gut für den Vereinsgründer ist.

Gemeinnützigkeit in den Statuten verankert

Insgesamt gibt es 43 verschiedene Zwecke, die die Voraussetzung einer Vereinsgründung erfüllen. Egal, ob ein Sportverein gegründet wird oder ein Musikverein – die Statuten müssen haargenau festhalten, was das Ziel des Vereines ist. Die Statuten des Vereins sollten eindeutig, unmissverständlich und umfassend sein, um Unklarheiten und Missverständnisse zu vermeiden. An dieser Stelle ist es mehr als empfehlenswert, den Rat eines Experten einzuholen, um Fallstricken bei der Formulierung der Statuten auszuweichen.

Wenn die Statuten vom Staat innerhalb von 4 Wochen nach Einreichung nicht bemängelt werden, sind diese geltendes und auf Dauer gültiges Recht. Der Verein ist gegründet.

Wieviel Menschen werden für einen Verein benötigt?

Die Wenigsten wissen, dass man für die Gründung eines Vereins lediglich zwei Personen bzw. Mitglieder benötigt: den bereits angesprochenen Präsidenten und einen Vizepräsidenten. Das ist das absolute Minimum. Darüber hinaus kann es verschiedene Formen der Mitgliedschaft geben, deren genaue Ausformung ebenfalls in den Statuten festgehalten werden muss. Die Rechte und Pflichten der Mitglieder sind dort ebenfalls verankert.

Ein Verein ist natürlich kein Unternehmen, weshalb es über keine Kunden, sondern nur über Vereinsmitglieder verfügen kann. Auch Spesen können, wenn sie dem Vereinszweck dienlich sind, rückerstattet werden vom Verein. Präsident und Vizepräsident können so sogar ihren Lebensunterhalt bestreiten, weil sie ehrenamtlich für den Verein tätig sind.

Keine Gewinne, nur Rücklagen

Ein Verein zeichnet sich auch dadurch aus, dass er keinerlei Gewinne erwirtschaften darf. Wenn es zu Überschüssen kommt, müssen diese in die Rücklagen für die Realisierung des Vereinszweckes fließen. Diese Rücklagen speisen sich in Vereinen meistens aus Vermietungen, Förderbeiträgen, Spenden, Kapitalerträge oder Mitgliedsbeiträge.

Der vereinsinterne Vermögensaufbau dient hier ganz klar der Absicherung der Tätigkeiten des Vereins gemäß dem gemeinnützigen Zweck. Jede Kapitalentnahme muss in Verbindung mit dem Vereinszweck stehen.

Die Einbindung von Immobilien in die Vereinsstruktur ist ebenfalls möglich und bietet spannende Ausformungsmöglichkeiten, um noch mehr vereinsinternes Vermögen aufzubauen.

Alles in allem bietet ein Verein äußerst attraktive Möglichkeiten, das eigene Vermögen zu schützen, die Steuerlast massiv zu senken und gleichzeitig das Geld in etwas zu investieren, das einem wichtig ist.

Autoreninfo:

Marc Schippke ist CEO und Geschäftsführer der Schippke Wirtschaftsberatung AG. Zusammen mit einem ausgewiesenen Expertenpool sorgt er dafür, dass seine Mandanten ihre Steuern optimieren, sich internationalisieren und gemeinwohlorientiert wirtschaften.

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