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Mit Lean Startup raus aus der Sackgasse

Neues Innovationsmodell schafft Mehrwert auch für etablierte Unternehmen

von smwx
Thomas Pförtner

Innovationen und Innovationsmanagement sind nicht erst im Zuge der Digitalisierung zu wichtigen Elementen der Unternehmensstrategie geworden. Um Ideen mit Potenzial aus dem großen Pool der Möglichkeiten zu filtern, setzen viele auf das etablierte Modell des Innovationstrichters. In Zeiten des steigenden Fachkräftemangels kommt dies allerdings einer Ressourcenverschwendung gleich. Wer heute wirklich zielführend Innovationen vorantreiben will, ist mit dem Lean-Startup-Ansatz deutlich besser beraten.

Viele Ideen sammeln, einige wenige vorantreiben und auf einzelne erfolgreiche Produkte hoffen: Das ist in vielen Unternehmen noch immer Standard, wenn es darum geht, Innovationen zu verfolgen. Anstelle einer vernünftigen Strategie ist es so allerdings eher der reine Zufall, der über Erfolg oder Nichterfolg entscheidet. Unter der Annahme statistischer Unabhängigkeit ist dies das Beste, was man tun kann. Zusätzlich wird der blinde Fleck, die Voreingenommenheit, ein Stück weit ausgeschaltet. Aber Masse ist nicht immer Klasse. Erste Verbesserungen im Sinne des Lean Startup-Konzepts, das auf den Silicon-Valley-Entrepreneur Eric Ries zurückgeht, liefert der Führungsexperte Dr. Reinhard Sprenger mit der Formel „start many, try cheap, fail early“, die zwei wichtige Aspekte abbildet: Durch das kostengünstige Ausprobieren mit potenziellen Kunden („try cheap“) wird eine größere Marktnähe gegenüber der Filterung im Desk Research erreicht. Zusätzliche Effektivität entsteht durch den Fokuswechsel von der Verifizierung der richtigen auf das Falsifizieren der ungeeigneten Ideen („fail early“). Es bleibt aber beim „start many“ als Ausgangspunkt des dreistufigen Prozesses. In einer Welt mit zunehmender Veränderungsgeschwindigkeit (Velocity), Ungewissheit (Uncertainty), Komplexität (Complexity) und Mehrdeutigkeit (Ambiguity), die heute unter dem Begriff VUCA zusammengefasst wird, bedarf es dabei einer Mindesteindringtiefe, um wirklich fundierte Aussagen über das Potenzial einer Idee treffen zu können. In der Praxis bedeutet das eine intensive Beschäftigung mit jeder der vielen Ideen durch Menschen, die sowohl über Sachverstand als auch über eine gewisse Offenheit für Neues verfügen. Genau diese Mitarbeiter sind allerdings noch rarer gesät als Fachkräfte im Allgemeinen. Eines ist klar: Viele verschiedene Teams einen signifikanten Zeitraum lang an je einer isolierten Idee arbeiten zu lassen kann und sollte sich heute niemand mehr leisten.

Fokussierung in der Innovation

Erfolgreiche Geschäftsfelder basieren auf einer geschickten Kombination von Ideen und einem schlüssigen Geschäftsmodell. Etablierte Unternehmen sind Teil eines Öko-System, das sie nach Meinung des Harvard-Professors Clayton Christensen bei disruptiven Vorgängen im Markt an einer rechtzeitigen Neuorientierung hindert. Einen entscheidenden Vorteil hat, wer bereits bei der Konzeptentwicklung prüft, welche Elemente des Ökosystems direkt genutzt werden können, welche geeignet zu transformieren und weiterzuentwickeln sind und welche man besser ad acta legt. Eine Idee allein führt zu keiner dauerhaften Alleinstellung. Die entsteht erst aus der besonderen Fähigkeit heraus, sie zu entwickeln, zu fertigen, auszuliefern oder zu verkaufen. Dahinter stecken oft langfristig aufgebaute Kompetenzen: Stärken auf die man bauen kann, wenn man sie denn erkennt, weiterentwickelt oder neu interpretiert. Eine Antwort auf die Frage, wie Fokussierung in der Innovation funktionieren kann, liefert das Lean-Startup-Konzept, das auf den Silicon-Valley-Entrepreneur Eric Ries zurückgeht. Bei diesem Modell definiert nicht mehr eine Idee das Ziel des Projekts, sondern dient nur noch als Auslöser und Startpunkt. Eine abstrakte, eher geschäftliche als technische Formulierung des Problems aus Kundensicht als Arbeitshypothese gibt dem Team Autonomie, eine Mission und minimale Restriktionen. Aus dem objektiven Abgleich mit der Geschäftsstrategie und dem Ecosystem als SWOT-Analyse ergibt sich für etablierte Unternehmen so eine wichtige Chancen-Risikobewertung. Gleichzeitig wird der Blickwinkel auf notwendige Veränderungsprozesse erweitert. Ein interdisziplinäres Team schafft von Beginn an eine Vision für ein Produkt, das der Kunde braucht, der Vertrieb verkaufen, die Produktion herstellen und der Service ausliefern kann. Damit entstehen ein vollständiges, in sich schlüssiges Geschäftsmodell sowie eine Keimzelle für eine motivierte Mannschaft.

Lean Startup überprüft den Pool an Ideen zu Beginn eines Projekts, statt sie isoliert voneinander zu betrachten. Der Ansatz steigert gleichzeitig sowohl die Lerneffekte als auch die Effizienz des Teams. Der Fokus kreist nicht mehr um die Nutzung einer möglicherweise nutzlosen Idee, sondern liegt auf dem Nutzen für den Kunden. Der Zugang zu Lead Usern, den etablierte Unternehmen in der Regel besitzen, kann dabei den Innovationshub und den daraus resultierenden Wettbewerbsvorsprung erhöhen. Agile Projektarbeit sollte allerdings mit ausreichenden Freiräumen ausgestaltet werden und auf die ganzheitliche Betrachtung des Geschäftsmodells gerichtet sein. Unternehmen, die so arbeiten, haben den Wettbewerbsvorteil klar auf ihrer Seite.

Über den Autor

Thomas Pförtner ist Projekt- und Interim Manager. Er realisiert neue Geschäftswerte durch fokussierte Projekte und ist immer dann gefragt, wenn es um strategisches Wachstum durch technische Innovationen geht. Zu seinen Auftraggebern zählen wachstumsorientierte Unternehmen aus der IT/K-Branche, der Chip- und Halbleiterindustrie sowie aus Produktion und Fertigung. Als Universalist verbindet er umfassendes technologisches Wissen über Chips und Halbleiter sowie moderne Fertigungsverfahren und Werkstoffe mit Praxiswissen über Netze, Server, moderne IT-Services und EDV. Ergänzt wird sein Kompetenzportfolio um strategisches Unternehmensmanagement-Know-how und Erfahrungen in den Bereichen Qualitätssicherung, Risikobewertung, Finanzen, Einkauf, Fertigung, Vertragswesen, Führung und Prozessteuerung. Er wirkt als Generalist. Technologie ist für ihn Mittel zum Zweck – mit und für die Menschen, die sie anwenden. Er steht für greifbare Ergebnisse und eine nachhaltige Umsetzung in der betrieblichen Praxis. Seine ganzheitliche Sicht auf menschliche, technologische, betriebswirtschaftliche, gesellschaftliche und ethische Fragestellungen in einer volatilen Geschäftswelt bringt der Diplom-Ingenieur und ausgezeichnete Interim Manager auch in verschiedene Fachzirkel und Gremien ein. Wegen seiner tiefgründigen Analysen und seiner systemisch-generalistischen Denkansätze ist er zudem als Autor in Fachmedien gefragt sowie als Experte im Rahmen von Workshops, Tagungen und Kongressen.

Weitere Informationen unter https://pfoertner-net.de

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