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Geschäftsmodelle neu denken und weiterentwickeln

von smwx

Mehr als jede andere Krise stellt die Pandemie tradierte Geschäftsmodelle auf den Prüfstand und erhöht den Innovationsdruck. In allen Bereichen nimmt der Drang nach Veränderung zu. Wenngleich eine erfolgreiche Reaktion darauf für die deutschen Unternehmen mit großen Anstrengungen verbunden ist, herrscht mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten 12 Monaten großer Optimismus. Das zeigt die neue Marktstudie „Restrukturierung und Transformation 2021“ von der Managementberatung Atreus aus München, für die im Mai 2021 insgesamt 1.325 Spitzenführungskräfte (darunter u.a. Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und Interim Manager) von Deutschlands Unternehmen (>100 Mio. Umsatz) befragt wurden.

So geht die überwältigende Mehrheit der Befragten (71%) von einem Konjunkturaufschwung aus. Knapp 10 Prozent gehen sogar von einem Boom aus, also einem starken Konjunkturaufschwung. Ob sich die Wirtschaft aber nachhaltig vom Corona-Schock erholen kann, hängt von mehreren Faktoren ab, nicht zuletzt von der Entwicklung in den Exportmärkten. So glauben rund 11 Prozent, dass es keine nennenswerte Veränderung der Konjunktur gibt.

Auslandsnachfrage als Hauptreiber – Wachstum kein Strohfeuer

Als maßgebliche Treiber für einen starken Konjunkturaufschwung sehen rund 63 Prozent der Befragten die Auslandsnachfrage. Ganz oben steht dabei China mit 33 Prozent, gefolgt von einer starken Nachfrage aus EU-Ländern. Und immerhin kommt der Binnennachfrage mit 33 Prozent ebenfalls ein großer Anteil zu. Besonders optimistisch sind die Befragten hinsichtlich der IT-Branche. Hier erwarten 33 Prozent der Führungskräfte ein überaus starkes Wachstum und einen entsprechend hohen Auftragseingang. Sehr zuversichtlich ist man auch für den Tourismus und Luftverkehr. Hier erwarten 27 Prozent der Befragten ein starkes Wachstum. Der Chemie- und Pharmabranche trauen die Experten rund 22 Prozent Wachstum zu.

Dabei handelt es sich laut der Studienteilnehmer branchenübergreifend keineswegs um ein Strohfeuer, es wird mit einer positiven Entwicklung der deutschen Wirtschaft noch in diesem Jahr gerechnet. 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es sich um ein mittelfristiges Wachstum auf eine Zeitdauer von 12-24 Monaten handelt. Weitere knapp 18 Prozent gehen sogar davon aus, dass dieses Wachstum länger als zwei Jahre anhalten wird.

Digitale Zuversicht – aber auch Skepsis

In Sachen Digitalisierung herrscht große Zuversicht. Die Monate der Pandemie haben die Relevanz der digitalen Transformation in allen Lebensbereichen aufgezeigt. Bei der Frage, wo Deutschland aktuell in Sachen Digitalisierung steht, haben 43 Prozent der Befragten angegeben, dass in Deutschland zwar große Defizite herrschen, aber bereits gute Initiativen gestartet seien. Weitere rund 25 Prozent haben angegeben, dass Deutschland sich beim Aufholen gegenüber anderen Nationen befindet, es aber noch viel Spielraum nach oben gibt – der Qualifizierungs- und Ausbildungsbedarf ist nach wie vor hoch. Ein großer Teil der Befragten zeigt sich deshalb auch eher skeptisch. Danach glauben über 30 Prozent, dass Deutschland gegenüber anderen Nationen wie USA, China und Skandinavien abgehängt ist.

„Während der Pandemie sind zahlreiche Unternehmensprojekte, darunter auch einige Digitalisierungsinitiativen, auf der Strecke geblieben. Viele dieser Digitalisierungsmaßnahmen werden jetzt mit großem Tempo nachgeholt. Das Problem dabei: Die Unternehmenserkenntnisse aus der Pandemie lösen derzeit noch zahlreiche neue Digitalisierungs- und Transformationsprojekte aus, der Druck wächst. Wichtig wird es sein, schnellstmöglich die richtigen Mitarbeiter mit dem notwendigen Know-how einzubinden. Denn viele solcher Maßnahmen scheitern auch daran, dass im Unternehmen zu sehr an alten Denkmustern festgehalten wird”, sagt Dr. Christian Frank, Partner und Mitglied des Executive Board bei Atreus.

Hoher Transformationsbedarf im Automotive-Sektor

Bei der Frage nach dem höchsten, branchenspezifischen Transformationsbedarf in den nächsten 12 Monaten (5 = sehr hoch | 1 = sehr gering), hängt eine Industrie alle anderen ab: Mit einem Mittelwert von 4,14 sehen die Befragten ganz klar die Automobilindustrie vorn. Der Transformationsprozess – weg vom klassischen Antrieb und hin zur emissionsfreien, voll digitalisierten und langfristig autonomen Fortbewegung – beschäftigt alle Branchenteilnehmer. Der Autoabsatz wird langfristig sinken, die mittelständische Zuliefererindustrie steht vor einer Marktbereinigung – Gegensteuern ist angesagt. Unmittelbar hinter der Automobilindustrie folgen die Sektoren Industriegüter, Anlagen- und Maschinenbau mit 3,68 sowie der Tourismus- und Luftverkehrssektor mit 3,66 Zählern.

Als wesentliche Treiber der Transformation in der deutschen Wirtschaft werden von den Studienteilnehmern gesamtheitlich die Digitalisierung (73%), der Innovationsdruck (67%) sowie Nachhaltigkeit und Klimawandel (58 %) gesehen. Für 32 Prozent sind es die veränderten Kundenbedürfnisse, Preis- und Kostendruck wird von nur 24 Prozent als Treiber von Transformationsprozessen genannt.

Aufs Tempo drücken

Deutschlands Unternehmen haben nahezu keine andere Wahl, als das Tempo des organisatorischen Wandels mitzutragen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. So sehen in der technologischen Weiterentwicklung ganze 69 Prozent die richtige Maßnahme, um den Transformationsprozess zu beschleunigen. 68 Prozent benennen Innovationen bzw. neue Geschäftsmodelle und 55 Prozent die Organisationsentwicklung sowie neue Formen der Zusammenarbeit. Dabei wird deutlich, dass jene Unternehmen, die schon zu Beginn der Krise einen hohen Reifegrad in der Transformation ihrer Geschäftsprozesse hatten, gestärkt aus dieser hervorgehen. Wichtig ist zudem, dass digitale Kompetenz nicht nur als Phrase, sondern als anwendbares Wissen im Tagesgeschäft zur tatsächlichen Gestaltung der Transformation vorhanden ist.

Ein großer Teil der Befragten – nämlich fast die Hälfte – geht davon aus, dass sich die Geschäftsmodelle in ihrer Branche in den nächsten drei bis fünf Jahren gravierend verändern werden. Hintergrund ist die signifikante Erneuerung und Erweiterung durch neue Möglichkeiten der Digitalisierung. 30 Prozent gehen immerhin davon aus, dass es eine kontinuierliche Optimierung der bestehenden Geschäftsmodelle geben wird.

Quo vadis Insolvenzen?

Abschließend soll das Augenmerk noch auf die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen gerichtet werden, die zum 30. April 2021 auslief und nicht verlängert wurde. Dem ein oder anderen angeschlagenen Unternehmen könnte nun das Aus drohen – Deutschland gar eine Insolvenzwelle? Fast alle Befragten (95 %) erwarten, dass die Anzahl der Insolvenzen ansteigen wird. 54 Prozent sind der Meinung, dass es sich um einen leichten Anstieg bei den Insolvenzen handeln wird, 40 Prozent glauben sogar an einen signifikanten Anstieg.

Dass die Aussetzung zur Antragspflicht zu einer leistungs- und finanzwirtschaftlichen Stabilisierung der Unternehmen genutzt werden konnte, sehen 63 Prozent der Befragten. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass die Probleme lediglich zeitlich verschoben wurden. Auch die Überbrückungshilfen und Kredite haben für eine zwischenzeitliche Stabilisierung gesorgt, so sehen es immerhin weitere 22 Prozent. Dass die Maßnahmen zur Stabilisierung von den Unternehmen nicht genutzt wurden, glauben hingegen nur 6 Prozent der Studienteilnehmer.

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