Startseite Tipps & Tricks Blackbox Cloud-Computing: So behalten Start-ups den Durchblick

Blackbox Cloud-Computing: So behalten Start-ups den Durchblick

von smwx
Phillip Maasberg ist Senior Account Manager Start-ups der IONOS SE

In den ersten Gründungsjahren eines Start-ups geht es oft agil und dynamisch zu. Neue Investoren kommen an Bord, der Kundenstamm wächst. Es kann aber auch umgekehrt laufen: Das Geschäftsmodell erweist sich als nicht optimal und die erhoffte Zahl an Klienten bleibt aus. Um solchen Unwägbarkeiten zumindest bei der IT begegnen zu können, sollten Gründerinnen und Gründer von Anfang an auf Flexibilität setzen. Die Cloud ist dabei das Mittel der Wahl. Ein Überblick über die am Markt angebotenen Cloud-Varianten und -Service-Modelle hilft,  um die beste Lösung für die eigenen Belange herauszufinden.

Man unterscheidet drei Bereitstellungsmodelle: Public, Private und Hybrid Cloud. Bei der Public Cloud entfallen eigene Serverpools oder Rechenzentren. Dies bedeutet eine spürbare Vereinfachung der IT-Infrastruktur. Auch beim Ausbau der genutzten Services sind die Unternehmen flexibel. Wächst das Start-up, kann es je nach Bedarf mehr Ressourcen hinzubuchen. Bezahlt wird nach Verbrauch, so entfallen Investitionskosten. Abgerechnet wird beispielsweise abhängig von der Datenmenge oder der Nutzungszeit. In diesem Modell greifen mehrere Kunden der Anbieter über das Internet auf dieselbe virtuelle Infrastruktur oder Software zu. Da der Provider der Eigentümer der Cloud-Infrastruktur ist, kann dieses Modell aus datenschutzrechtlichen Gründen kritisch sein, wenn er seinen Hauptsitz nicht in der Europäischen Union hat oder seine Daten außerhalb der EU hostet.

Mehr Individualität verspricht die Private Cloud. Hier stehen die IT-Ressourcen nur für eine Firma bereit und die Cloud ist nicht für jeden aus dem Internet verfügbar. Allerdings muss das Start-up die Verwaltung bei diesem Cloud-Modell selbst verantworten. Es können also hohe Personal-, Management- und Wartungsaufwände entstehen. Start-ups können sich jedoch mit Managed Services behelfen und das Hosting für eine Private Cloud auslagern. Das ist aber in der Regel teurer als eine Public Cloud, da ein großer administrativer Aufwand beim Cloud-Provider liegt. Insbesondere aufgrund der hohen Sicherheitsstandards eignen sich Private Clouds gut für vertrauliche Daten.

Hybrid Cloud: Das Beste aus zwei Welten

Die Hybrid Cloud ist eine Mischform aus Private und Public Cloud. Beim Blick in die Unternehmen ist allerdings zu erkennen, dass sie häufig aus einer On-Premises-Umgebung und einem Cloud-Modell besteht. Start-ups können sich für dieses Cloud-Modell entscheiden, wenn sie einige Daten oder Anwendungen auf eigenen Servern behalten möchten, andere wiederum auf Servern eines Public-Cloud-Providers liegen sollen. Der Vorteil der Hybrid Cloud ist, dass Anwender je nach Use Case die passende Cloud auswählen können. Legacy-Anwendungen können zum Beispiel On-Premises weiter betrieben, Neuentwicklungen dagegen gleich direkt für den Betrieb in der Cloud entwickelt werden.

Die Multi Cloud entsteht ebenfalls aus der Verbindung mehrerer Clouds. Dabei nutzen Unternehmen Clouds von mindestens zwei unterschiedlichen Anbietern gleichzeitig. Für gewöhnlich geht es hier um den Einsatz mehrerer Public Clouds. Der Vorteil einer Multi Cloud ist schnell erklärt: Verschiedene Anbieter decken häufig Funktionen unterschiedlich gut ab. Start-ups können also beispielsweise bei Anbieter A von einer hohen Datensicherheit profitieren und bei Cloud Provider B einen großen Speicherplatz sowie eine schnelle Rechenleistung nutzen. Zudem dient dieses Modell der Risikominimierung, wenn beispielsweise das Back-up der Daten auf der Cloud eines anderen Anbieters läuft.

Bei diesem Modell ist es wichtig, dass alle Dienste im Zuge eines umfassenden Multi-Cloud-Managements perfekt aufeinander abgestimmt werden. Außerdem muss der Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Plattformen gut funktionieren. Dafür eignet es sich, darauf zu achten, ob die Cloud Anbieter zum Beispiel auf Open Source setzen. Dann können Daten vergleichsweise einfach transferiert werden und man macht sich weniger abhängig von den einzelnen Cloud Providern.

IaaS, PaaS und SaaS: Im Dickicht der Cloud-Service-Modelle

Cloud Lösungen lassen sich anhand von Service-Modellen weiter untergliedern. Hier unterscheidet man Infrastructure-, Platform- und Software-as-a-Service (IaaS, PaaS und SaaS). Je nach Ausgangslage und den Anforderungen im Unternehmen ist das eine oder andere Modell geeigneter.

Bei IaaS stellt der Cloud-Provider Komponenten für eine virtuelle Infrastruktur zur Verfügung. Das Start-up verantwortet im Vergleich zu PaaS und insbesondere SaaS viel selbst. Es muss sich etwa mit der Konfiguration und Wartung der Infrastruktur beschäftigen. Zu IaaS zählen neben der Bereitstellung von Servern und Storage auch Netzwerke (virtuelle Netze, Router, etc.) und die Virtualisierungsschicht. Anwender installieren das Betriebssystem und Tools selbst, vernetzen sich virtuell und können die Cloud-Infrastruktur beispielsweise durch Firewalls absichern und vieles mehr. Dafür sind allerdings technische Fachkenntnisse eine grundlegende Voraussetzung.

PaaS-Anwendungen setzen auf einer IaaS-Umgebung auf. PaaS umfasst Datenbanken (SQL- oder NoSQL-basiert), Entwicklerwerkzeuge, Analytics- oder Big-Data-Funktionen und Application Services. Der wesentliche Vorteil von PaaS liegt in der vollen Kontrolle über die Daten und Anwendungen, die der Nutzer behält. Zugleich obliegt ihm damit aber auch eine große Eigenverantwortung über die in der PaaS-Umgebung betriebenen Anwendungen.

Beim Cloud-Service-Modell SaaS stellt ein IT-Provider Software über das Internet bereit. Den Betrieb und die Kontrolle übernimmt dabei der Provider. Beispiele für SaaS-Angebote sind Microsoft 365, der Nextcloud Hub, Salesforce oder Cisco WebEx.

Unabhängig von Cloud-Variante und Service-Modell: Serverstandort Deutschland

Das Zauberwort für Start-ups ist Flexibilität. Public-Cloud-Lösungen zahlen genau deshalb auf die Bedürfnisse der Jungunternehmer ein, weil sie sich unkompliziert an den Bedarf anpassen lassen, etwa wenn das Unternehmen schnell wächst und mehr IT-Ressourcen benötigt. Allerdings müssen Start-ups darauf achten, dass sie ein Angebot wählen, das die Anforderungen deutscher Datenschutzgesetze erfüllt, etwa von einem deutschen Cloud-Provider. Für vertrauliche Daten setzen viele Unternehmen auf die Private Cloud, die – richtig eingesetzt – hohe Sicherheit ermöglicht, aber auch mehr Aufwand und Investitionskosten mit sich bringt. Hybrid und Multi Cloud sind Alternativen, mit denen sich Public und Private Clouds kombinieren lassen. Sie sind aber auch entsprechend komplexer zu verwalten. Die Cloud Services IaaS, PaaS und SaaS können Start-ups je nach Bedarf und Know-how auswählen. Es lohnt sich, nach Angeboten speziell für Start-ups – im Idealfall sogar mit gutem technischen Support in Deutschland – Ausschau zu halten.

Autor: Phillip Maasberg ist Senior Account Manager Start-ups der IONOS SE

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  • Phillip Maasberg: IONOS

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